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Informationen über Jesolo
Der Tourismusaufstieg

Die Entwicklung und der Erfolg von Jesolo, als internationaler Badeort, ist ein echtes und fast einmaliges Wunder, das sich in ca. zehn Jahren kurz nach dem Kriegsende ereignet hat. Die offizielle Anerkennung als Aufenthaltsort bekam Jesolo im Jahre 1952. Zehn Jahre später zählt Jesolo schon 323 Hotels, Pensionen und Gasthäuser, und 1963 kommen noch 31 dazu. Eine wirklich eindrucksvolle Zunahme. 1958 schrieb der Journalist Dino Villani: "Man sagt, daä der Erfolg von Jesolo von Venedig abhängt, aber meiner Meinung nach stimmt das nur teilweise. Die Leute, die sich einen Aufenthalt im Lido nicht mehr leisten konnten, können natürlich Jesolo für ihren Aufenthalt gewählt haben, aber das ist nicht der Fall von vielen Touristen. Die neuen Besucher sind zahlreich, vor allem dank der Verbreitung der Sommerferien und der Mode den Urlaub am Meer zu verbringen. Diese Menschen wählen lieber einen schönen und billigen Ort, wo man in Freiheit leben kann". Ein Strand für Alle ist also das Motto, das dieser Spitzenbadeort im Laufe der Zeit bewahrt hat. Am Ende der fünfziger Jahre ist Jesolo eine der noch wenigen Badeorte, die für sich ein Symbol gewählt haben, d.h. ein Unterscheidungszeichen zu Reklamenzwecken. Das Symbol von Jesolo, ein Rettungsring mit einem Gänsekopf, ist schön und spielt auf die gemütliche Stimmung seines Strandes an. Auf den damaligen Prospekten liest man: "ein familienfreundlicher Strand, wo die Kinder sorglos im Wasser spielen können". Darüber erklärt Villani: "Jesolo versucht, sein Symbol auf die beste Weise auszunutzen, und es wird so oft hervorgehoben, das man jetzt nicht mehr weiä, ob der Rettungsring das Symbol von Jesolo kopiert hat, oder ob Jesolo unter den Rettungsringen sein Symbol ausgewählt hat". Eine positive Marketing-Aktion. Die touristische Neigung, die schon nach dem Jahr 1920 entdeckt worden war, lieä in den ersten sechziger Jahren viele moderne Infrastrukturen aufbauen (oder auf das Bauprogramm setzen) .1958 richtete der Luftverein von San Don› di Piave in der Ortschaft C› Brescia einen touristischen Flughafen ein, der in der Sommerzeit für den internationalen Flugverkehr (für Flugzeuge bis zu zwei Tonnen Gewicht) geöffnet wurde. Der Flughafen ist sehr tätig: es werden Luftveranstaltungen, Flüge über die Stadt und eine Flugschule organisiert. 1947 gab es in Jesolo sogar eine Reiter- Tradition. In jenem Jahr entschied sich der Graf Cesare Persico, das ²Erste Nationale ReitturnierÓ in Jesolo Lido zu organisieren. Die erfolgreiche Veranstaltung findet auch in den folgenden Jahren statt, und der damalige Vorsteher des Verkehrsvereins, der Architekt Romualdo Seno, erkundigt sich 1963 über die Möglichkeit, eine Reitbahn in Jesolo zu errichten. Und Seno berichtete noch: "wir müssen auch über einen mindestens 18-Loch modernen Golfplatz verfügen können. Ich halte diese Golfanlage für notwendig, um den Infrastrukturen-Aufbau fertigzustellen und die Saison zu verlängern". Unter den anderen Angeboten gab es 1963 in Jesolo: zwei Rollschuhbahnen, zwei Karts-Rennbahnen (die Pista del Pioppeto und die Pista Azzurra), acht Kinos, vier Minigolf-Anlagen, eine Anlage für Tontaubenschieäen, zwölf Dancings. Und was war bei den Veranstaltungen los? Im März 1963 findet im Hauptsaal des Dancings "Le Capannine" ein Boxkampf ohne Titel statt, an dem Meister wie Brandi, Dos Santos, Baseotto und Cominardi teilnehmen; der Hauptkampf ist zwischen Burruni und Luis Rodriguez Aguado. In Juni organisiert der venezianische Motorbootverein einen Wettkampf für Auäen- und Innenbord auf der Strecke Venedig-Jesolo Lido. Nach einigen Tagen findet beim Hotel Las Vegas die 13. Ausgabe des Bridge-Turniers statt, welches vom Bridge-Klub Padua organisiert wird. Die Veranstaltung endet mit einem Fest für die Konkurrenten. Im Juni gibt es auch eine Etappe der zweiten Ausgabe der musikalischen Veranstaltung "Cantagiro". Auf dem Programm gibt es noch das 9. und letzte Ausgabe des Journalisten-Rallys. Es wird vom Rechtsanwalt Raffaello Guzman organisiert und zählt fünfzehn Paare von ausländischen Journalisten unter den Teilnehmern. Das ist die letzte Ausgabe, denn 1963 wird festgestellt, daä diese Vorstellung in der Zukunft durch ein Podiumsgespräch ersetzt werden soll. Im Juli, in der Arena im Kino "Drago", findet ein internationaler Boxkampf zwischen den Dilettantenmannschaften Italien B ° London statt. Im gleichen Monat, auf dem Tontaubenschieäe-Platz in der Levantina-Straäe, finden Scheibenschieäen-Wettbewerbe statt. Am Ende August gibt es ein Tennisturnier für Spieler von zweiter und dritter Kategorie, an dem auch ausländische Tennisspieler teilnehmen können. Im gleichen Monat organisiert der Verein ODIP aus Mailand einen Kinderfestival mit der Teilnahme von vielen Schauspielern der Kinder- Fernsehsendungen. Auch im August organisiert der Skating-Klub von Jesolo, von Mariuccia Rivella Passaggio geleitet, einen Rollkunstlauf-Wettbewerb. Im September geht es wieder los mit Tennis und insbesondere mit der Veranstaltung "Dubler °Turnier", das vom internationalen Verein der Tennisveteranen organisiert wird. Im Laufe des Sommers finden sowohl mehrere örtliche und regionale Minigolf-Wettbewerbe statt, als auch internationale Kartsrennen bei der "Pista Azzurra". Unter den traditionellen Veranstaltungen fallen das Feuerwerk- (am 15. August) und das Obstfest (im September) besonders auf. Es ist also bemerkenswert, wie die touristiche Kommunikation von Jesolo sich so wenig im Laufe der Jahre geändert hat. Im Biennium 1962-1963 besteht die touristische Propaganda vor allem aus Verbreitung von Broschüren, Dekoration von Schaufenstern, Teilnahme an Messen und Ausstellungen, Werbeanzeigen, Auslandsreisen, Werbeplakate. In diesem Biennium läät der Verkehrverein 300.000 farbige Faltprospekte, 200.000 Stadtpläne von Jesolo Lido, 150.000 Preislisten, 20.000 Plakate und 10.000 Informationsschriften drucken. Dieses Material wird meistens den ENIT-Auslansdelegationen zugestimmt, der Rest wird in den 4.500 italienischen Reise- und Auskunftbüros verteilt. Die Werbeschaufenster sind eine Neuigkeit dieser Jahre: Sie werden in den Einkaufszentren, wie z.B. Rinascente in Mailand, und in den Stadtzentren von Zürich. München, Düsseldorf und Paris vorbereitet, und sie stellen das Symbol von Jesolo, d.h. den Rettungsring mit dem Gänsekopf, auf blauem Hintergrund dar. Den Messenbesuchern gefallen insbesondere Geschenke, die heute recht altmodisch wären: Säckchen mit dem Sand von Jesolo. Bemerkenswert ist noch die Anzahl der damaligen Auslandsreisen: sie waren 111 im o.g. Biennium. Zwischen dem Ende der fünfziger Jahre und dem Anfang der sechziger Jahre kann Jesolo potentiell ein Hauptziel des internationalen Tourismus werden. Der Strand, der von der künftigen Bauentwicklung noch nicht angegriffen worden ist, sieht noch breiter aus. Die ersten groäen Hotels wurden im Pinienwald gebaut, und zwar am Rand eines Gebiets, das man damals noch als wild bezeichnete. In den wunderbaren sechziger Jahren bereiten sich die neuen Tourismus-Unternehmer auf das Abenteuer vor. Überall gärt es und alle arbeiten mit. Viele andere Badeorte erleben zur gleichen Zeit wie Jesolo ihr Abenteuer im Tourismus, trotzdem haben nicht alle die gleichen Gelegenheiten, wie z.B. die Nähe von Venedig. Die Wichtigkeit dieses Faktors entnimmt man z.B. daraus, daä im Jahre 1958 nur Jesolo, mit Bergamo und Riccione, an der Messe in Mailand teilnimmt. Danach scheint es so, als ob alles anhielt. Was wäre Jesolo mit seinen Lesitungsfähigkeiten geworden, wenn die damalige Flamme des Ehrgeizes weitergebrannt hätte ? Z.B. durch Investitionen auf sein Image, wie es Rimini gemacht hat ? Im Jahr 1958 prophezeit Dino Villani: "Wir sollen hoffen, daä die Entwicklung fortgeht, oder daä sie hält, so daä Jesolo das Straäennetz ausbessert, mehrere Lokale aufgebaut, die Dienstleistungen und die Verbindungen mit den anderen Ortschaften verbessert? Und insbesondere mit Venedig, das auf dem Seeweg ca. 15 Minuten entfernt ist?" Die Erklärung liegt vielleicht eben in dieser fehlenden Orientierung.


 
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