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Geschichte Venedigs |
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ursprunge von Venezia di Stefano Momentè |
Die Föderative Venetische Republik wurde,
wie die Tradition will, im Jahr 466 offiziell mit der feierlichen
Ratifizierung eines seit Jahren etablierten Zustandes geboren.
Eine notwendige Lösung, um das Lagunengebiet besser gegen
alle die Völker zu verteidigen, die, von Osten kommend,
im Lauf einiger Jahrzehnte das Hinterland plünderten
und zerstörten. Zuerst die Westgoten, dann die Wandalen
und 452 die Hunnen Attilas. Im Frühling jenen Jahres
zog Attila über die Julischen Alpen in die venetische
Tiefebene ein. Sogar Aquileia, eine Stadt, die es an Bedeutung
und Reichtum mit Ravenna und Mailand aufnehmen konnte, wurde
von ihm eingenommen. Vor dem Einfall Attilas nannte man sie
"Die jungfräuliche Feste"; was von ihr übrigblieb,
waren ein paar Steine und wenige menschliche Reste. Julia
Concordia, Altino, Padua und Oderzo ereilte dasselbe Los.
Und die aus diesen Städten geflohenen Menschen suchten
Zuflucht auf den Laguneninseln, um sich vor weiterem Unglück
in Sicherheit zu bringen. Die Flüchtlinge aus Altino
besiedelten sieben Inseln und gaben ihnen die Namen der sieben
Tore ihrer Stadt. Die Bewohner Aquileias flüchteten nach
Grado, die von Concordia nach Caorle, die von Padua nach Rialto
(Rivo Alto) und Malamocco (Metamauco). Am Ende des 5. Jahrhunderts
wurde die Föderative Venetsche Republik von Tribunen
regiert, die gute Beziehungen mit den Regierenden des Festlands,
den Ostgoten pflegten, aber ihre Unabhängigkeit bewahrten.
Das gesamte Inselgebiet erfreute sich einer Zeit groäen Wohlstands,
was zum Teil der "erleuchteten" Regierung Theoderichs (463
- 526) zuzuschreiben war; die lezten Jahre des 5. Jahrhunderts
zeichneten sich durch so gute Beziehungen mit den "Nachbarn"
aus, daä 495 Theoderich die auf die Inseln geflohenen Menschen
aufforderte, in ihre Heimatstädte des Hinterlands zurückzukehren.
Viele folgten dieser Aufforderung. Der schreckliche gotisch-byzantinische
Krieg, der 553 mit dem Tod des letzten Ostgotenkönigs
Teja zu Ende ging, lieä ein verwüstetes Italien zurück.
Nur einige kleine Gebiete waren verschont geblieben: eines
davon war die venetische Lagune, die ein fast unüberwindbares
Stück Meer und Sümpfe vom Festland trennte. Der
venetische Inselbund machte sich dies zu Nutzen, schloä eine
feste Allianz mit dem Oströmischen Reich und unterhielt
"gut nachbarschaftliche" Beziehunger mit den Resten des einstigen
Weströmischen Reiches. Während der Ruhm der Föderation
wuchs, wankte die griechische Regierung in Italien und die
Langobarden schickten sich an, Italien zu erobern. Einige
Historiker sind der Meinung, daä diese erneute Invasion immer
mehr Menschen dazu zwang, das festland zu verlassen und in
der venetischen Lagune Schutz zu suchen, die als wesentlich
sicherer galt. Die Langobarden Alboins zogen im Frühjahr
568 über den Predilpass in den Julischen Alpen nach Italien.
Sie breiteten sich in den venetischen Tälern aus, ohne
auf Widerstand zu stoäen. Alboin übergeb Cividale seinem
Neffen Gisolf, dem ersten langobardischen Herzog in Italien.
Die langobardische Invasion führte einen zweiten gewaltigen
Flüchtlingsstrom von Oderzo zu den Inseln Equilus (Jesolo)
und Melidissa (Heracliana). Wie der Chronicon Altinate berichtet,
bauten die neuen Immigranten das Kastell von Exulo (Equilus),
das in der Folge alle die aufnahm, die akzeptabel erschienen.
608 kamen Flüchtlinge aus Padua nach Equilus, das vom
Langobardenkönig Agilulf angegriffen wurde, und später
auch viele Einwohner Altinos, denn als Rothari Oderzo plünderte,
ahnte Bischof Paulus von Altino, daä auch für seine Stadt
die Stunde gekommen war. 579 beschloä die venetisch-istriche
Biscofssynode die Verlegung des Bischofssitzes von Oderzo
nach Melidissa. Infolge einer der regelmääig wiederkehrenden
—berschwemmungen der Piave verwandelte sich Melidissa im Jahr
589 in eine Halbinsel. Nach dem Einfall Alboins wurde die
Situation für die Orte des Hinterlands untragbar. Bereits
gegen Ende des 6. Jahrhunderts wurden die Beziehungen zu den
Invasoren arischen Glaubens immer gespannter. Und mit der
Ernennung Fortunatos zum Patriarchen von Aquileia (der Sitz
war aber inzwischen nach Grado verlegt worden), der sich zum
Arianismus bekehrt hatte, verschlechterte sich die Situation
für die Küstenzonen zunehmend. Sehr bald kehrte
der neu eingesetzte Patriarch Byzanz den Rücken und suchte
eine Annäherung an die langobardische Regierung. Der
Patriarch von Grado Primigenius war es, der den Ostkaiser
um Hilfe bat und in erster Linie die Plünderung der Kirchen
beklagte. Byzanz griff indirekt ein: gegen die Langobarden
wurde zwar keine offene Aktion unternommen, aber der Patriarch
erhielt Kunstgegenstände, Gelt und Schmuck zur Ausschmückung
der ausgeraubten Kirchen. Mit der Thronbesteigung Rotharis
verschärften sich die langobardischen Repressalien. Das
berühmteste Opfer dieser Situation war wiederum Oderzo.
Rothari erhielt die italische Krone im Jahr 636: groäer Verwalter
und Reformer des Langobardenstaates, erlieä er das berühmte
Edikt, das seinen Namen trug. In dieser Zeit war Pavia Hauptstadt
des Reichs und Rialto ein bedeutendes Handelszentrum. Die
wichtigsten landwirtschaftlichen Erzeugnisse waren Getreide
und Wein und auf den Bauernhöfen und in den Klöstern
wurde Schweine- und Pferdezucht betrieben. Das ganze Mittelalter
hindurch waren sie hochgeschätzte Tiere. Ein Hengst war
mehr wert als ein Haus und zehn Sklaven zusammengenommen.
Der Salz- und Gewürzhandel mit dem Orient erfuhr eine
erste Blüte. Die Wirtschaft stagnierte und jede Familie
hatte im Durchschnitt nicht mehr als zwei Kinder. Klöster
und Kastelle waren die groäen Wirtschaftszentren. Um den religiösen
Verfolgungen der Arier zu entgehen, übersiedelte der
Bischof von Oderzo Magnus, zusammen mit den bedeutendsten
Familien der Stadt nach Melidissa, das inzwischen zu Ehren
des Ostkaisers Herakleios (640 gestorben), der die Perser
besiegt hatte, den Namen Heracliana bekommen hatte. Kaiser
Herakleos war es gewesen, der dem Patriarchen von Grado, Primigenius,
Schätze und Gold geschenkt hat, um die von den Ariern
geplünderten Kirchen neu auszustatten. Er bekämpfte
mit Macht die arische Häresie, war erklärter Verteidiger
des Papstes und der Orthodoxie und wurde so zum natürlichen
Aliierten der Laguneninseln, die seit jeher durch kommerzielle
und politische Beziehungen mit Byzanz verbunden waren. Um
die Mitte des 7. Jahrhunderts war Heracliana die gröäte
Stadt des ÷stuars. Hier stand auch die von Magnus erbaute
Kathedrale S. Pietro Apostolo und einige Historiker sagen,
daä sie 90.000 Einwohner zählte. Brücke zwischen
Orient und Okzident unterhielt Heracliana Handels- und diplomatische
Beziehungen sowohl mit dem byzantinischen als auch mit dem
langobardischen Hof in Pavia. Der Handel mit dem Orient, vor
allem mit Byzanz blühte, das durch politische Verträge
mit der Lagunenstadt eng verbunden war. Das war auch der Grund,
daä sie lange Zeit die Vertreterin der griechischen Interessen
in Oberitalien war. Schwierig waren aber nach wie vor die
Beziehungen mit den Eroberern des Festlandes. Der Langobardenkönig
Grimoald (662-672) befahl die endgültige Zerstörung
dessen, was von der alten Stadt Oderzo übriggeblieben
war, was eine neue massive Flucht in Richtung Lagune zur Folge
hatte. Ein groäer Teil der neuen Flüchtlinge fand Zuflucht
in Equilus (nur ein kleiner Teil zog angeblich nach Heracliana
und Torcello): nach Meinung einiger Historiker stand die neue
Stadt den Langobarden aufgrund der langjährigen Kontakte,
die ihre Bewohner mit den "Barbaren" gehabt hatten, sehr
nahe. Heracliana unterhielt enge Beziehungen mit dem Ostreich,
während Equilus gute Beziehungen mit den Langobarden
pflegte. Die kulturellen und politischen Differenzen zwischen
den zwei "Mächten" des ÷stuars muäten über
kurz oder lang zu einem offenen Konflikt führen: Ende
des 7. Jahrhunderts, wie es heiät 690, trafen die Truppen
der zwei Städte in einer Feldschlacht aufeinander, deren
Ausgang zugunsten Heraclianas entschied. Spuren dieser Schlacht
wurden zu Beginn dieses Jahrhunderts von einigen Arbeitern
gefunden, die die Fundamente für ein Pumpwerk im Zuge
der sogenannten "Trockenlegung Ongaro" legten. Man
schrieb den Monat Oktober des Jahres 1903 als in der Nähe
des heute als "Valle Ossi" (Knochental) zu Dutzenden
aufgereihte menschliche Skelette gefunden wurden: alles was
von den jungen Menschen in der Schlacht zwischen den beiden
Städten übriggeblieben war. Was zusätzlich
das Leben der Laguneninseln erschwerte, waren die dalmatischen
Piraten, deren unermüdliche Raubzüge die Osthandelsrouten
unsicher machten. Die Lage verschlechterte sich immer mehr
und 697 wurde in Heracliana in der Kathedrale S. Pietro Apostolo
eine allgemeine Versammlung einberufen. Patriarch, Adel und
"Volk" beschlossen, daä es in einem für das
weitere Schicksal so ernsten Augenblick geboten war, einem
einzigen Manne die Zügel der Regierung in die Hand zu
geben, der von allen Bürgern, wessen Standes auch immer,
zu wählen war. Erster Doge wurde Paulutius Anafestus
und Heracliana offizieller Amtssitz des Dogen. Damit wuchs
seine Bedeutung und es entwickelte sich zu einem wichtigen
und lebendigen Handelshafen. Unter der erleuchteten Regierung
der Dogen erlebte Heracliana eine Zeit groäer Pracht und eng
mit dem byzantinischen Alliierten verbunden, zog es von Sieg
zu Sieg. Von dem veränderten politischen Verwaltungssystem
des Inselbundes wurde dem Ostkaiser Justinian II. Und dem
Papst offizielle Mitteilung gegeben. Paulutius war es auch,
der einen Vertrag auf Zeit mit dem Langobardenkönig Liutprand
schloä. Er starb 717 in einer der vielen Schlachten mit Jesolo
und Malamocco, die miteinander verbündet waren. Später
kam es zu neuen Konflikten, die die Schlachten 736 in Valle
Ossi und 741 in Torre del Caligo auslösten. Die immer
blutigeren Auseinandersetzunen zwischen den zwei Rivalen zogen
sich mit welchselhaftem Ausgang bis zum Ende des Jahrhunderts
hin, die die zwei Städte an den Rand des Ruins brachten.
Durch den von Piave und Sile angeschwemmten Schutt wurde die
Schiffahrt in der nördlichen Lagune, wo die Insel Melidissa
lag, immer schwieriger und gefährlicher, weshalb Doge
Deusdedit 742 beshloä, den Sitz der Dogen nach Malamocco zu
verlegen. Dieser Entschluä bedeutete, daä Heracliana seiner
Machtstellung verlustig ging und ein rasches Aufstreben Malamoccos
und der umliegenden Inselchen begünstigte, was viele
Einwohner Jesolos zur Einwanderung bewog. Die ohnehin schon
tragische Lage wurde durch einen massiven Einfall der Franken
zusätzlich verschlimmert. |
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